Der Gedanke das Fach Friesisch als offiziellen Unterrichtsgegenstand aufzunehmen ist vergleichsweise neu. Als offizielle Schul- und Unterrichtssprache diente seit Jahrhunderten das Deutsche. Erstmals wurde das Friesische 1909 auf der Insel Sylt regulär unterrichtet. Schon bald darauf verbot die preußische Regierung den Friesischunterricht an der Volksschule in Westerland, weil er nicht dem Ziel einer sprachlichen und nationalen Einheit dienlich zu sein schien. Wieder waren es nationalistische Erwägungen, die die Bemühungen um den Erhalt der Kleinsprache unterliefen. In der Weimarer Republik erlebte die Förderung des friesischen Schulunterrichts durch eine gezielte Förderung aus Berlin, hinter denen sich im Übrigen einmal mehr nationaldeutsche Interessen verbargen, ein kurzes Zwischenhoch. Die anschließende Diktatur der Nationalsozialisten hatte, anders als es der Ton der offiziellen Propaganda Glauben machen wollte, überhaupt kein Interesse an einer Förderung nichtdeutscher Sprachen im Reichsgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Unterricht nach einem Erlass des Ministeriums für Volksbildung auf freiwilliger Basis zwar wieder aufgenommen werden, allein diesmal verhinderte der Zeitgeist einen Durchbruch auf breiter Basis. Während der fünfziger und sechziger Jahre waren die meisten Eltern der Ansicht, dass eine zweisprachige Erziehung das schulische und berufliche Fortkommen ihrer Kinder behindern würde.


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